Mureka V9.5 im Praxistest: lohnt der Blick über den Suno-Tellerrand?
Viele, die heute mit KI-Musik arbeiten, bleiben bei einem Tool hängen. Meistens bei Suno. Verständlich – aber dann übersieht man leicht, was sich bei anderen Anbietern tut. Genau deshalb habe ich mir Mureka (Homepage: mureka.ai) mit dem Modell V9.5 angeschaut.
Mureka hatte sich wegen einer Kooperation gemeldet. Ich habe das trotzdem so getestet, wie ich sonst auch teste: kritisch, mit einem Prompt, der nicht von allein funktioniert, und mit den Extra-Funktionen drumherum.
Was V9.5 laut Hersteller kann
Laut Murekas eigener Veröffentlichung vom 28. August 2026 geht es bei V9.5 vor allem um natürlichere Songstruktur, mehr Luft im Arrangement, glaubwürdigere Vocals und stabilere Prompt-Umsetzung. Intern nutzen sie dafür unter anderem den Ansatz MusiCoT – erst die Form des Songs denken, dann lokal ausarbeiten.
In ihrer eigenen Auswertung über 100 Songs nennen sie unter anderem höhere Werte bei Vocals, Prompt-Kontrolle und Genre-Treue. Das sind Herstellerzahlen – interessant als Orientierung, kein unabhängiger Benchmark. Im Video zählt für mich sowieso: Was kommt raus, wenn ich es anfasse?
Demo vs. eigener Test
Auf der Startseite klingen die Beispiele stark: aufgeräumter Happy Pop, überzeugende Stimmen, Arrangement mit Dynamik. Solche Demos kennt man – sie sollen verkaufen. Deshalb habe ich bewusst kein einfaches Pop-Lied gemacht, sondern etwas Instrumentales mit Anspruch: Melodic Techno, Ibiza-Club-Feeling, in den Breaks eher Soundtrack mit Klavier und Streichern, dann wieder in den Drop.
Das Ergebnis: Soundqualität und Komposition wirkten solide, gutes Wechselspiel zwischen Klavier und Synthesizern. Was mir fehlte, war genau das aktuelle Club-Gefühl – Snare Rolls, Riser, dieses „jetzt geht’s los“. Kompositorisch war etwas davon da, aber es klang noch nicht nach dem Genre, das ich im Ohr hatte. Richtung ja, Ankunft nein.
Genau das ist für mich der interessante Punkt: Die Klangqualität ist längst auf einem Level, bei dem man kaum noch „KI“ hört. Ob der Track stilistisch landetet, ist eine andere Frage.
Ökosystem neben dem Song-Button
Hier wird Mureka für mich spannender als nur „noch ein Generator“:
- Mureka Studio – Online-DAW-Ansatz ähnlich wie Suno Studio: Spuren, Timeline, weiterarbeiten statt nur Runterladen.
- Stems, MIDI, WAV/MP3, einfaches Posting-Video.
- Film vertonen (noch nicht von mir getestet).
- Musikvideo aus dem Track – mit Character Sheet, Location, Style; Storyboard-Modus möglich.
- Mureka Copilot – Ableton Live per KI steuern (Claude dahinter); ich habe das früher schon separat getestet. Noch nicht perfekt, aber es zeigt, wohin Workflows gehen.
Die Noten-Export-Funktion war bei mir ein Flop: leeres Notenblatt. Netter Gedanke, in der Praxis noch nicht brauchbar.
Beim Video-Test (Character Sheet von mir, Synth-Labor als Location, Dark Realism) kam nach einiger Wartezeit etwas Brauchbares heraus – für One-Click/Storyboard schon überraschend. Kein fertiger Clip fürs Portfolio, aber als Entwurf interessant.
Meine Einschätzung – ohne Marketing-Filter
Sound und Vocals in den Demos und im eigenen Run wirken hochwertig. Beim Genre-Treffer Melodic Techno war ich noch nicht zufrieden. Wer nur Suno kennt, sollte Mureka trotzdem anhören – nicht weil es „besser“ wäre (das hängt vom Track ab), sondern weil Studio, Video und Copilot ein anderes Arbeitsbild zeichnen.
Ob sich ein Abo oder eine Kooperation lohnt, bleibt individuell. Ich bleibe bei dem, was ich höre und sehe: starker Sound, noch Luft bei Genre-Feinheit, und ein Ökosystem, das über den einen Generate-Button hinausgeht.
Wenn du den Test im Original sehen willst: YouTube-Video vom 16.09.2026.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Beim Melodic-Techno-Lauf würde ich den Prompt noch härter auf Arrangement-Signale trimmen: explizit Snare Rolls, Riser, Break-Länge, Drop-Energie. Und ich würde denselben Prompt parallel in Suno und Mureka laufen lassen – nicht um einen Sieger zu küren, sondern um zu hören, wo die Modelle unterschiedlich entscheiden.
Beim Video würde ich mehr Zeit in Location- und Style-Referenzen stecken und kürzere Clips rendern, bevor ich die volle Länge riskiere. Character Sheets helfen der Konsistenz – das gilt für Mureka genauso wie für andere Video-Pipelines.
Für wen sich der Blick lohnt
Wenn du nur Songs generierst und fertig herunterlädst, ist der Unterschied zu Suno Geschmackssache und Tagesform. Wenn du Stems in die DAW ziehst, im Browser-Studio weiterbaust oder Clip und Track aus einer Umgebung willst, wird Mureka als Gesamtpaket interessanter.
Und noch einmal klar: Kooperation hin oder her – im Video und hier gilt dasselbe Maß. Was gut klingt, sage ich. Was nicht trifft, auch.
