Warum ich Musik produziere – und warum ich dieses Wissen weitergebe
Ich produziere Musik, seit ich zwölf Jahre alt bin. Damals habe ich beschlossen, dass ich genau das machen möchte – und diese Begeisterung hat mich bis heute nicht losgelassen.
Wenn ich heute plötzlich finanziell völlig unabhängig wäre, würde ich nicht als Erstes überlegen, auf Weltreise zu gehen oder mir ein größeres Haus zu bauen. Mein erster Gedanke wäre: Wie kann ich noch spannendere Musikprojekte umsetzen? Wie kann ich noch bessere Studios bauen? Wie kann ich einen Ort schaffen, an dem Produzenten, DJs, Sänger und kreative Menschen gemeinsam Musik machen können?
Ich kenne diesen Moment, wenn ein neuer Track plötzlich anfängt zu funktionieren. Man sitzt im Studio und wird regelrecht hibbelig. Man kann an nichts anderes mehr denken. Welche Spur kommt als Nächstes? Welche Idee probiere ich jetzt aus? Dieses Gefühl ist unbeschreiblich – und genau diese Begeisterung möchte ich weitergeben.
Die Neugier auf das Neue
Ich hatte mein ganzes Leben lang Spaß daran, mit Technik zu experimentieren. Schon als junger Produzent war ich fasziniert von den Werkzeugen, die damals als revolutionär galten: Hardware-Sequenzer, Drumcomputer, Synthesizer. Ich erinnere mich noch gut daran, wie begeistert ich war, als ich zum ersten Mal mit einer frühen Steinberg-Software Noten am Computer verschieben konnte.
Während andere neue Technologien vor allem danach beurteilen, ob sie gut oder schlecht sind, frage ich mich zuerst: Was kann ich damit machen, was vorher nicht möglich war?
So war es bei der legendären TR-808 – wer damals damit arbeitete, hatte plötzlich Klänge, die zuvor niemand gehört hatte. So war es bei Samplern, DAWs und dem Auto-Tune-Effekt, den Chers „Believe" weltberühmt machte. Jeder dieser Fortschritte hat erst Diskussionen ausgelöst – und dann neue Musikstile, neue Sounds und neue kreative Möglichkeiten hervorgebracht.
Heute erleben wir mit künstlicher Intelligenz genau dieselbe Entwicklung. Als die ersten DAWs auf den Markt kamen, hieß es auch: „Jetzt kann ja jeder Musik produzieren." Heute wissen wir, dass ohne DAWs ganze Musikrichtungen niemals entstanden wären.
Ich finde den Gedanken wunderschön, dass beim Komponieren sinnbildlich Mozart, John Lennon, Freddie Mercury und Prince auf meiner Schulter sitzen und mir Ideen zuflüstern. Obwohl ich am Mozarteum Komposition studiert habe und seit meiner Kindheit Musik mache, werde ich niemals so viele musikalische Zusammenhänge kennen wie eine KI, die Millionen von Songs analysiert hat. Warum sollte ich mir dieses Wissen nicht zunutze machen?
Für mich ist KI kein Ersatz für Kreativität, sondern ein kreativer Partner. Und eines ist mir dabei wichtig: Kreativität braucht keine Technologie. Ein großartiger Song kann auf einer Akustikgitarre, einem Klavier oder einer Blockflöte entstehen. Die musikalische Idee steht immer im Mittelpunkt. Technologie ist nur das Werkzeug, um sie auszudrücken.
Was ich dagegen überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die Vorstellung, Menschen müssten sich schlecht fühlen, weil sie mit KI Musik machen. Das erscheint mir ungefähr so absurd, als würde man sagen: „Musik machen ist wunderbar – solange du Cello spielst. Aber wehe, du spielst Triangel." Vor Kurzem schrieb mir ein Mann, der früher professioneller Gitarrist war. Durch gesundheitliche Probleme konnte er seine Gitarre irgendwann nicht mehr halten – Musik verschwand aus seinem Leben. Dank KI kann er heute wieder Songs erschaffen. Er sagte mir, wie glücklich ihn das macht. Warum sollten wir ihm diese Freude nehmen?
Warum der YouTube-Kanal
Seit rund zehn Jahren betreibe ich meinen YouTube-Kanal und gebe dort dieses Wissen weiter – eine Zeit lang sogar auf Englisch, bis ich gemerkt habe, dass mir der deutschsprachige Kanal mehr Freude macht.
Und seit einigen Jahren passiert etwas, das mich jedes Mal tief berührt: Immer wieder kommen Menschen zu mir und sagen: „Thomas, danke. Ohne dich würde ich heute keine Musik produzieren."
Vor Kurzem spielte ein erfolgreicher Techno-DJ auf einem großen Festival, auf dem auch ich auftrat. Er kam gezielt zu mir und sagte: „Thomas, ich wollte dir einfach Danke sagen. Ohne deine Videos wäre ich heute nicht hier."
Solche Momente bedeuten mir unglaublich viel. Zu wissen, dass ich Menschen dabei helfen konnte, eines der schönsten und kreativsten Hobbys – oder sogar einen Beruf – für sich zu entdecken, erfüllt mich mit großer Freude.
Wohin die Reise geht
Wir leben in einer einzigartigen Zeit. Noch nie war es so einfach, Musik zu produzieren: Ein Laptop genügt, um Songs zu schreiben, professionelle Mixe zu erstellen und Musik weltweit zu veröffentlichen. Gleichzeitig entstehen mit KI Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren undenkbar waren.
Die Zukunft der Musikproduktion besteht aber nicht darin, die alte Welt durch die neue zu ersetzen. Man muss weiterhin wissen, wie ein Equalizer funktioniert, wie ein Kompressor arbeitet, wie ein professioneller Mix entsteht. Die spannendsten Ergebnisse entstehen dort, wo beide Welten zusammenkommen.
Genau darum geht es auf dieser Seite, auf meinem Kanal, in meinen Workshops – und demnächst auch in meinem Buch: Ich möchte niemandem sagen, was richtig oder falsch ist. Ich möchte zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, Menschen für Musik begeistern und ihnen Lust machen, ihren ganz eigenen Weg als Produzent zu finden.
