Thomas Foster Sound & Vision
KI

Musikproduktion per Chatbot: Wenn die KI deine DAW bedient

Wir leben in einer Zeit, in der sich unsere Branche schneller verändert als je zuvor. Was gestern noch Science-Fiction war, ist heute bereits normal – und das Tempo nimmt weiter zu.

Ich frage mich regelmäßig: Wie wird sich dadurch die Musikproduktion verändern? Denn eines ist für mich klar: So wie sich gerade alles entwickelt, kann es in fünf oder zehn Jahren nicht mehr so sein wie heute. Niemand weiß, wohin die Reise geht. Aber dass sie irgendwohin geht, steht fest.

Und jetzt habe ich ein Tool gesehen, das eine mögliche Vision davon zeigt.

Die Vision: Du sprichst, die DAW arbeitet

Stell dir vor, du bedienst deine DAW überhaupt nicht mehr. Du lehnst dich zurück, spielst auf deinem Klavier und sprichst nur noch mit deinem Chatbot:

„Ich hätte gern mal ein Klavier. Nein, nicht so eines – es muss ein weicheres sein. Ja, das gefällt mir. Mach noch ein bisschen mehr Hall drauf. Jetzt will ich was aufnehmen. Im zweiten Takt, setz mir da die Velocity ein bisschen runter."

Der Chatbot erledigt alle technischen Arbeiten. Du konzentrierst dich auf das Wesentliche: die Kreativität und die Musik.

Das Tool, das das heute schon kann

Das Tool heißt Morecker CO. Dahinter steckt Claude als KI – und es steuert Ableton Live über eine Schnittstelle. Man spricht mit dem Chatbot, und der nimmt alle Einstellungen vor, kann MIDI-Clips erzeugen und Audio-Files generieren.

Ich habe es getestet – mit Anweisungen wie: „Stelle das Tempo auf 125 BPM und kreiere eine neue Spur mit einem Drum Rack und einem typischen 808-Kit. Mach mir zwei MIDI-Clips darauf, so EDM bis House, ein Beat für einen poppigen Club-Track. Dazu eine funky E-Gitarre, ein paar funky Bläser, einen funky Bass, ein akustisches Schlagzeug und einen Chor – alles ein bisschen Motown-Stil, bisschen housey, bisschen Ibiza-Vibe."

Und tatsächlich: Die KI beschreibt genau, was sie gemacht hat – funky Guitar mit choppy Motown Chords, eine Bläser-Section mit punchy Horn Stabs – legt die Spuren an, beschriftet sie richtig und holt die generierten Audiospuren in Ableton hinein.

Die ehrliche Einschätzung

Klingt fantastisch – und ist es als Konzept auch. Aber in der Praxis ist aktuell noch alles sehr langsam, träge und experimentell. Das ist kein Werkzeug, mit dem man heute schon ernsthaft schneller produziert als mit Maus und Tastatur.

Und trotzdem: Man kann sich beim Testen sehr gut vorstellen, wohin die Reise geht. Die Frage ist nicht, ob die Sprachsteuerung der DAW kommt. Die Frage ist, wann sie schnell und zuverlässig genug ist, um den Workflow wirklich zu verändern.

Wer heute versteht, wie DAW, Sounddesign und Musikproduktion funktionieren, wird auch dann die Nase vorn haben, wenn die Technik per Zuruf funktioniert. Denn die KI übernimmt die Bedienung – aber die musikalischen Entscheidungen bleiben bei uns.