Mein erster KI-Sci-Fi-Film: Workflow mit Claude und Higgsfield
Letztes Wochenende habe ich einen Science-Fiction-Film produziert. Mit Higgsfield, mit Claude, mit ChatGPT – und mit einer Menge künstlicher Intelligenz. Klingt nach Großprojekt. Im Kern ist es vor allem eine klare Reihenfolge.
Kurz vorweg, weil das dazugehört: Das YouTube-Video dazu ist eine Werbung für Higgsfield. Ich nutze das Tool im Video und verlinke es. Was du hier liest, ist trotzdem kein Feature-Katalog, sondern der Ablauf, den ich wirklich gefahren bin – und was dabei hängen geblieben ist.
Erst die Geschichte, dann die Bilder
Begonnen habe ich nicht in einem Video-Tool, sondern mit der Story. ChatGPT war mein Gesprächspartner: Idee vom Raumschiff, Landung auf dem Mars, was danach passiert. Daraus wurde ein Storyboard – vorgelesen in Etappen. Nach jedem Block habe ich geändert, ergänzt, umgebaut. Am Ende lagen 59 nummerierte Kurz-Szenen (S1 bis S59). Die Nummern klingen pedantisch. Sie sparen später enorm viel Chaos, wenn mehrere KIs und du selbst dieselbe Szene meinen.
Wichtig: Man muss nicht drei verschiedene Sprachmodelle parallel laufen lassen. Ich habe Claude, Codex und ChatGPT genutzt, weil sie bei mir parallel arbeiten können. Ein einziges Large Language Model reicht für denselben Workflow – solange die Reihenfolge stimmt.
Character, Location, Object – bevor es filmt
Der Punkt, an dem viele KI-Videos unruhig werden: Gesichter, Outfits und Räume wandern von Take zu Take. Deshalb habe ich vor dem ersten Clip Sheets bauen lassen:
- Character Sheets – wer spielt mit, wie sieht die Person von vorne, Seite, Händen aus, welcher Prompt steckt dahinter
- Location Sheets – Aufenthaltsraum, Cockpit, Marskolonie: Orte, die sich nicht Szene für Szene neu erfinden sollen
- Object Sheets – Geräte und Props mit Referenzbildern, wenn sie wiedererkennbar bleiben müssen
Das deckt sich mit dem, was Higgsfield selbst für konsistente Figuren beschreibt: eigene Referenz-Sheets pro Figur, dann in Cinema Studio als Referenzen anhängen, statt alles nur als Fließtext zu beschreiben. Claude (bzw. der Chat im Studio) kann Prompts und Einstellungen vorschlagen – generieren musst du selbst. So steht es auch in der Higgsfield-Hilfe zu Cinema Studio.
Praktisch bei mir: ChatGPT hat den großen Auftrag formuliert, Claude hat die Sheets angelegt. Danach sitzt man kurz und schaut zu, wie der Rechner arbeitet. Klingt unspektakulär. Fühlt sich gut an.
Higgsfield anbinden, dann Clips
Claude bzw. das Modell, das die Dateien schreibt, braucht Zugriff auf Higgsfield (im Video über die Verbindung, die du dort einrichtest). Danach: Testbild, prüfen ob der Download-Ordner stimmt – und erst dann die eigentlichen Szenen.
Für die Clips selbst habe ich oft ohne Musik, aber mit Soundeffekten generieren lassen. Roboter arbeiten? Dann soll schon Geräusch da sein. Die Musik kommt später aus der DAW – bei mir in Bitwig –, weil ich für diesen Film eine sehr klare musikalische Vorstellung hatte. Kein „Prompt und hoffen“, sondern Aufbau, Tempo, Steigerung Richtung Mars-Symphonie.
Schnitt: Einzelclips landen im Schnittprogramm (bei mir Final Cut). Die KI die Maus im Schnittprogramm fahren lassen? Geht in Ausnahmen. Für ein ganzes Projekt eher teuer an Credits und nervig. Besser: KI liefert Material, du schneidest.
Echte Aufnahmen statt „fast wie ich“
Einen Menschen wollte ich im Film haben – neben den Robotern. Der Versuch, mich selbst nur aus Fotos als Character Sheet zu klonen, hat mich nicht überzeugt. Freunde: „Das bist doch gar nicht du.“ Leichte Ähnlichkeit, fertig.
Deshalb: echte Videoaufnahmen von mir, nasse Haare, Licht so gut wie möglich, dann mit den KI-Szenen kombiniert. Schlechtes Licht im Realteil zieht die ganze Szene nach unten. Das ist kein Magie-Schalter – das ist Handwerk, das man kennt.
Was davon du mitnehmen kannst
- Storyboard und Szenennummern vor der Bildflut.
- Sheets für Figuren, Orte, Objekte – sonst driftet alles.
- Musik und Schnitt bewusst trennen, wenn du Kontrolle willst.
- Wo Identität zählt (dein Gesicht): eher filmen als nur generieren.
- Tools und Credits ehrlich einplanen. Higgsfield Cinema Studio hat je nach Version unterschiedliche Stärken (Referenzen, Länge, Claude-Chat als Director-Hilfe) – nachlesen lohnt sich, bevor du ein Wochenende verbrennst.
Den offiziellen Release des Films kündige ich im Video für etwa drei bis vier Wochen später an. Hier geht’s um den Weg dorthin, nicht um ein fertiges Urteil „KI-Film ist die Zukunft“. Es ist ein Workflow. Der kann funktionieren – wenn du ihn wie eine kleine Produktion behandelst und nicht wie einen einzelnen Prompt.
Das ganze Projekt im Video: Mein erster KI-Sci-Fi-Film – komplett mit Claude & Higgsfield auf YouTube
Quellen zum Nachlesen: Higgsfield Cinema Studio Hilfe, Character Sheets / zwei Figuren in einer Szene, Video: Mein erster KI-Sci-Fi-Film.
