Thomas Foster Sound & Vision
Suno Studio 2.0: Braucht man in ein paar Jahren noch eine DAW?
Produktion

Suno Studio 2.0: Braucht man in ein paar Jahren noch eine DAW?

· von Thomas Foster

Aus meiner Sicht ist das hier die spannendste Meldung der Woche – auch wenn sie in der allgemeinen Aufregung um Kennzeichnung und Download-Limits ein bisschen untergegangen ist.

Suno hat eine Online-DAW, sie heißt Suno Studio. Am 13. August 2026 hat sie ein gewaltiges Update bekommen: Studio 2.0.

Eine Einschränkung gleich vorweg, weil sie in vielen Berichten fehlt: Studio 2.0 ist den Premier-Abonnenten vorbehalten. Wer im Free- oder Pro-Tarif unterwegs ist, kann es aktuell nicht nutzen. Und es läuft nur im Browser auf einem Bildschirm ab 768 Pixel Breite – auf dem Handy geht nichts, empfohlen wird Chrome.

MIDI – endlich

Der größte Brocken zuerst: Es gibt jetzt MIDI-Spuren. Und zwar nicht als Alibi-Funktion, sondern richtig.

Du kannst dein Keyboard anschließen und einspielen – Suno unterstützt Hardware-Controller über Web MIDI, inklusive Transport-Steuerung und MIDI Learn für die Plugin-Parameter. Wer kein Keyboard zur Hand hat, nutzt Musical Typing: die Computertastatur als Controller, mit Akkordmodi und Arpeggiator.

Im Piano-Roll-Editor lässt sich dann alles machen, was man erwartet: Noten zeichnen, verschieben, in der Länge ändern, quantisieren, Velocity anpassen, Pitch Bend und Modulation einzeichnen. Dazu ein eingebauter Wavetable-Synthesizer mit Oszillatoren, Filtern, Hüllkurven, LFOs und einer Modulationsmatrix.

Besonders praktisch: Du kannst eine Audiodatei auf eine MIDI-Spur ziehen und bekommst sie als Noten zurück. Audio-zu-MIDI direkt im Projekt.

Der eigentliche Trick: alles wird zu allem

Das ist der Punkt, an dem Suno Studio etwas kann, was eine klassische DAW nicht kann.

Alles, was du einspielst – egal ob MIDI oder Audio, egal wie billig der Synthesizer-Sound klingt, mit dem du es gerade abhörst – lässt sich sofort in jedes andere Instrument verwandeln, das dann von der KI generiert wird. Eine MIDI-Spur ist hier nicht nur eine Notenspur. Sie ist gleichzeitig ein Prompt.

Ich habe das ausprobiert und dafür etwas gemacht, das man normalerweise niemandem zumutet: Ich habe eine Trompetenlinie gesungen. Ich habe mir Mühe gegeben, ein bisschen wie eine Trompete zu klingen, aber am Ende war es eine Männerstimme, die „dü-dü-dü" macht.

Dann die Aufnahme selektiert, einen Prompt gesetzt, der die Stimme durch eine Trompete ersetzen soll, kurz rechnen lassen – und heraus kam eine Trompete. Mit meiner Phrasierung, meinem Timing, meiner musikalischen Idee. Nur eben als Trompete.

Genau das ist es, was ich mir seit Jahren wünsche: Ich muss ein Instrument nicht mehr spielen können, um eine Idee für dieses Instrument festzuhalten.

Was sonst noch dazugekommen ist

Der Rest liest sich wie die Featureliste einer ganz normalen DAW – und genau das ist die Nachricht.

Und noch ein Punkt, der gerade jetzt wichtig ist: Diese Exporte fallen nicht unter die neuen Download-Limits, die Suno ab dem 3. September einführt. Wer im Studio arbeitet, exportiert weiter ohne Deckel.

Die Frage dahinter: Wer kommt zu wem?

Jetzt zum eigentlich Interessanten. Denn der aktuelle Workflow der meisten, die hybrid arbeiten, ist ein Krampf.

Man baut etwas in Logic oder Ableton. Exportiert es. Importiert es in die KI. Macht dort etwas. Exportiert die Stems. Zieht sie zurück in die DAW. Merkt, dass die Tonart nicht passt. Fängt von vorne an.

Das ist kein schöner Workflow. Es ist ein Dateien-Pingpong, und jeder Sprung kostet Konzentration.

Aus dieser Situation gibt es genau zwei Auswege:

  1. Die KI kommt in die DAW. Logic, Ableton, Cubase und Bitwig bekommen eigene KI-Funktionen, und wir bleiben, wo wir sind.
  2. Die DAW kommt in die KI. Ein Werkzeug wie Suno Studio bekommt so viele DAW-Funktionen, dass es irgendwann keinen Grund mehr gibt, überhaupt noch zu wechseln.

Studio 2.0 ist ein deutlicher Schritt in Richtung zwei. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bin ich schon so weit?

Nein. Und das sage ich ohne jede Häme.

Es fehlt noch einiges, bevor ich ein Kundenprojekt komplett im Browser abwickle: die Zuverlässigkeit einer lokalen Installation, meine eingespielten Plugin-Ketten, Notausgänge, wenn mitten in der Session etwas hakt. Wahrscheinlich braucht es dafür noch ein paar deutliche Schritte mehr.

Aber die Richtung stimmt. Vor einem Jahr war Suno ein Songgenerator, in den man einen Prompt tippt. Heute ist es eine Umgebung, in der ich MIDI einspiele, automatisiere, mische und Stems exportiere – und in der ich meiner eigenen Gesangsspur sagen kann, dass sie ab jetzt bitte eine Trompete ist.

Wer wissen will, wie sich das mit einer klassischen DAW kombinieren lässt, findet den Ablauf, mit dem ich täglich arbeite, hier: Der hybride Workflow.