KI-Musik kennzeichnen? Was ab August wirklich gilt
„KI-Musik muss jetzt gekennzeichnet werden." Diesen Satz hört man gerade überall. Aber so stimmt das nicht wirklich.
Am 2. August ist es so weit: Ab dann gilt der AI Act der Europäischen Union. Und viele glauben, ab jetzt müsse jede KI-Musik gekennzeichnet werden.
Das ist ein Missverständnis.
Was wirklich gekennzeichnet werden muss: Deepfakes
Gekennzeichnet werden müssen sogenannte Deepfakes.
Was ist ein Deepfake? Stellen wir uns vor, ich singe einen Song und nutze dann eine KI wie Lalals, um meine Stimme in die von Ed Sheeran zu verwandeln. Jetzt könnten Leute glauben, das habe Ed Sheeran gesungen – das sei der neue Song von Ed Sheeran. Genau das nennen wir einen Deepfake. Und das muss gekennzeichnet werden.
Nicht gekennzeichnet werden müssen dagegen KI-generierte Songs.
Die freiwillige Kennzeichnung der Musikindustrie
Jetzt wird es aber interessant. Denn die amerikanische Musikindustrie (RIAA), der Weltverband IFPI und der deutsche Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) haben sich auf ein freiwilliges Kennzeichnungssystem geeinigt.
Unterschieden wird zwischen zwei Kategorien:
- AI generated: Ich schreibe einfach einen Prompt und erzeuge in Suno oder einer anderen KI einen kompletten Song.
- AI assisted: Ich produziere meinen Song in der DAW – Ableton, Logic, Cubase – und prompte nur einzelne Spuren dazu, die mit KI generiert werden: den Gesang, einen Chor, einzelne Instrumente.
Diese Kennzeichnung ist freiwillig – nicht per Gesetz vorgeschrieben.
Die eigentlich spannende Frage
Für uns Musikschaffende ist die entscheidende Frage eine andere: Werden Spotify, Apple Music und die anderen Streamingplattformen diese Kennzeichnung für Hörer sichtbar machen?
Und vor allem: Hat sie Einfluss auf die Algorithmen – also darauf, wie gut ein Song verbreitet wird, ob er in Playlists landet, ob er im Release Radar auftaucht?
Denn genau davon hängt am Ende ab, wie erfolgreich ein Song wird.
Wenn eine KI-Kennzeichnung künftig algorithmische Nachteile bedeutet, wird kaum jemand freiwillig kennzeichnen. Wenn sie neutral behandelt wird, könnte sie zu einem ehrlichen Transparenz-Standard werden.
Die Regeln sind da. Wie sie gelebt werden, entscheidet sich jetzt.
