Staccato im Test: MIDI-Files per Prompt – Traum oder MIDI-Albtraum?
Staccato heißt eine spannende Software, die mit KI MIDI-Files erzeugt.
Das Prinzip: Du schreibst einen Prompt – und darfst dabei sogar Interpretennamen verwenden, also zum Beispiel „im Stil von Prince". Dazu kannst du Tempo, Tonart und die gewünschten Instrumente angeben. Das Ergebnis ziehst du dann einfach in deine DAW.
Der Test
Ich habe Staccato ausprobiert – mit diesem Prompt: Melodic Pop in F-Dur, 92 BPM, rich piano chords, warm synths, clean electric guitars, deep grooving bass.
Das Ergebnis kam schnell und ließ sich direkt in Logic Pro importieren. Und hier zeigt sich eine Stärke der Kombination: Logic erkennt anhand der MIDI-Files ziemlich gut, welche Sounds es laden soll. Das ist ein Schlagzeug? Dann kommt ein Schlagzeugsound drauf. Das soll ein Bass sein? Dann wird ein Bass-Sound geladen.
Im Detail: Die Drums funktionierten super. Der Bass passte – beim ersten Versuch war er allerdings zwei Oktaven zu tief. Das Pad war richtig schön. Und auf die Gitarre habe ich spontan ein Stereo-Delay gelegt, damit sie nach etwas klingt.
Das ehrliche Fazit
Dann habe ich mir das Ganze angehört. Und mein erster Gedanke war: Oh mein Gott, ich hasse MIDI-Files.
Das Ergebnis klingt erst mal so, wie generische MIDI-Arrangements eben klingen. Natürlich kann man jetzt noch ein, zwei Stunden an den Sounds arbeiten – dann wird das Ganze deutlich besser. Oder auch nicht.
Wofür Staccato trotzdem interessant ist
Trotz der ernüchternden ersten Hörprobe ist der Ansatz spannend. MIDI statt Audio bedeutet nämlich: volle Kontrolle. Jede Note lässt sich bearbeiten, jedes Instrument austauschen, jedes Voicing anpassen.
Damit ist Staccato weniger ein „Song-Generator" und mehr ein Ideenlieferant für Akkordfolgen, Grooves und Arrangement-Skizzen – Rohmaterial, das in der DAW erst zum Leben erweckt wird.
Und genau das passt zum großen Trend, den wir gerade überall sehen: KI liefert Bausteine. Produziert wird immer noch in der DAW.
