Thomas Foster Sound & Vision
KI

Ich habe eine KI meinen Song mixen lassen – kann KI heute schon professionell mixen?

Was viele übersehen, wenn über KI in der Musik gesprochen wird: Man kann sie nicht nur nutzen, um komplette Songs zu erzeugen. Man kann sie auch für einzelne Schritte im Produktionsprozess einsetzen.

Beim Mastern funktioniert das schon seit einiger Zeit erstaunlich gut. Aber jetzt nehmen sich einige Firmen dem deutlich komplexeren Thema an: dem Mixen. Eine davon ist Cryo – und ich durfte ihr Tool testen.

So funktioniert der KI-Mix

Der Workflow: Man exportiert Stems seines Songs – in meinem Test maximal 32 Einzelspuren – und lädt sie auf die Plattform hoch.

Cryo versucht dann anhand der Audiofiles zu erkennen, was für eine Art von Spur das jeweils ist. Sind das Drums? Ist das ein Pad? Sind das Lead Vocals? Man bestätigt oder korrigiert die Zuordnung, dann beginnt die KI zu rechnen. Nach etwa zehn Minuten hat man einen fertigen Mix.

Danach kommt der interessante Teil: Über ein Chatfenster – wie man es von KI-Bots kennt – kann man Anweisungen geben: „Mach mal ein bisschen mehr Hall auf die Vocals, die klingen mir zu trocken."

Mixing per Konversation statt per Fader.

Der Vergleich: Rohfassung vs. KI vs. Mensch

Ich habe drei Versionen gegenübergestellt:

Das Ergebnis: Beim Cryo-Mix merkt man deutlich, dass viel passiert ist – Spuren wurden ge-EQt, gemixt, verhallt, komprimiert. Der Unterschied zur Rohfassung ist klar hörbar.

Aber im Vergleich zu meinem eigenen Mix zeigt sich die Schwäche: Es ist kein richtiger EDM-Mix. Die Drums und der Bass sind nicht laut genug – die müssen viel mehr vorne dran sein und knallen. Der KI fehlt (noch) das Genre-Verständnis dafür, was einen Mix in einem bestimmten Stil ausmacht.

Der nächste Schritt: KI-Mixing direkt in der DAW

Trotzdem finde ich es einen spannenden Weg, dass so etwas überhaupt in dieser Qualität möglich ist.

Und es geht weiter: Cryo hat gerade die Beta-Version eines Plugins veröffentlicht. Das heißt, künftig muss man seine Audiospuren nicht mehr exportieren und hochladen, sondern legt einfach auf jede Spur ein Cryo-Plugin – und die KI mixt direkt in der DAW.

Ob KI-Mixing menschliche Mixengineers ersetzt? Auf absehbare Zeit sicher nicht auf Profi-Niveau. Aber als Ausgangspunkt, als schneller Rough-Mix oder als Werkzeug für alle, die (noch) nicht mixen können, wird es schon jetzt richtig interessant.