Wenn vier Töne zum Komponisten machen – was sind dann tausend Worte?
Eine Frage lese ich in letzter Zeit extrem oft in den Kommentaren: Darf ich mich, wenn ich mit KI – also zum Beispiel Suno – einen Song gemacht habe, selbst Komponist nennen?
Die simple Antwort lautet: Nein.
Denn die schöpferische Leistung, also die eigene Kreativität, ist nicht hoch genug, wenn ich nur einen Prompt schreibe. So sieht es die aktuelle Rechtsauffassung.
Anders sieht es aus, wenn ich selbst etwas singe oder spiele – eine Melodie einspiele und diese in Suno als Input hochlade. Dann habe ich selbst etwas komponiert, und dann darf ich mich auch Komponist nennen.
Der „Hack", der das System entlarvt
Ich war von Anfang an sehr kritisch, ob das eine sinnvolle Lösung ist. Und kürzlich habe ich die Bestätigung bekommen.
Ein amerikanischer YouTuber verkündete: „Ich habe einen Hack für euch, wie ihr selbst zum Komponisten werdet, wenn ihr mit Suno einen Song macht. Ihr braucht nicht mal ein Instrument. Nehmt einfach eine simple Piano-App und spielt irgendwelche Töne."
Und tatsächlich: Suno ist fantastisch darin, aus jeder noch so belanglosen Melodie einen fantastischen Song zu machen.
Genau hier zeigt sich das Problem in seiner ganzen Absurdität.
Die eigentliche Frage
Wenn vier zufällige Töne auf einer Handy-App ausreichen, um rechtlich als Komponist zu gelten – was sind dann tausend sorgfältig gewählte Worte?
Soll das unsere neue Realität sein? Jemand, der ein paar Töne auf seinem Handy tippt, darf sich Komponist nennen. Und jemand, der stundenlang an einem Prompt feilt, sich wirklich Gedanken macht und echte kreative Leistung investiert – der nicht?
Ich sehe das sehr kritisch.
Damit will ich nicht sagen, dass jeder Prompt automatisch ein schöpferisches Werk ist. Aber die aktuelle Grenzziehung wirkt willkürlich. Sie belohnt einen formalen Trick – irgendetwas einspielen, egal wie belanglos – und ignoriert, dass kreative Arbeit heute auch in anderen Formen stattfinden kann.
Die Diskussion um Urheberschaft im KI-Zeitalter hat gerade erst begonnen. Und solange die Regeln so einfach auszutricksen sind, ist sie alles andere als gelöst.
