Ich bin auf 3sat: KI schreibt Songs – und auf dem Festival tanzt trotzdem jemand
Kurz die Lage: Für die 3sat-Reihe „Kann ich mit KI…?“ hat Moderator Eric Mayer ein Experiment gemacht. Drei Songs für einen Festivalauftritt – und die Musik kommt von der KI. Ich war der Produzent an seiner Seite. Die Folge heißt „Mach mich zum Star! Wenn KI Songs schreibt“ und liegt in der 3sat-Mediathek (verfügbar seit 10.09.2026).
Auf meinem Kanal habe ich den Behind-the-Scenes-Blick dazu veröffentlicht. Hier die kurze Version, ohne Spoiler-Theater, aber mit dem, was mich daran interessiert.
Was wir gemacht haben
Eric braucht drei Songs. Wir starten nicht bei „mach mir einen Hit“, sondern bei ihm: Frankfurt, Kiosk, Espresso, Blender-Klischees. Daraus baut ChatGPT Textentwürfe – „Alles Blender, alles Show“ und Co. Den musikalischen Stil füttern wir über Referenzstücke in ein Musik-KI-Tool (im Beitrag: Suno). So entstehen unter anderem ein Club-Track, ein melancholischer Indie-Rock mit Hund Caramello am Mainufer und „Welcome to Planet Eric“.
Für mich ist das der gleiche Job wie früher mit Session-Musikern – nur dass ich der KI sage, was sie tun soll. Den kreativen Geist, der sich etwas überlegt, ersetzt das nicht. Werkzeug, kein Ersatz-Ich.
Was auf der Bühne passiert
Niemand im Publikum weiß vorher Bescheid. Die Songs laufen, Leute tanzen, die Stimmung hält. Danach die ehrlichen Stimmen: Die einen feiern die Performance. Andere hören generische Beats. Einer fragt schon währenddessen, ob das AI Music ist.
Genau diese Spannweite finde ich ehrlich. Musik kann funktionieren, bevor das Label „KI“ draufklebt – und danach kippt die Bewertung oft, obwohl sich an der Datei nichts geändert hat. Im Beitrag wird das mit Studien und einer Streaming-Umfrage (Deezer) angedeutet: Viele hören den Unterschied nicht, bewerten aber anders, sobald sie die Herkunft kennen.
Was ich daraus mitnehme
Ob Menschen KI-Musik ablehnen, hängt stark vom Genre und von der Erwartung ab. Ambient? Oft egal. Eine emotionale Singer-Songwriter-Stimme, bei der man glaubt, da steht ein Mensch mit Lebensgeschichte? Da wird’s eng.
Kennzeichnung wird kommen – und dann sehen wir in der Praxis, welche Musik als KI funktioniert und welche Leute nicht wollen. Bis dahin bleibt mein Arbeitsbild: KI als mächtiges Studio-Werkzeug, nicht als automatischer Karriere-Ersatz.
Wer die Doku sehen will: 3sat Mediathek – Mach mich zum Star. Mein YouTube-Clip dazu: 22.09.2026.
Warum ich trotzdem mitmache
Fernsehen verdichtet. Aus Stunden Studio werden Minuten Erzählung. Trotzdem finde ich solche Formate wichtig: Sie holen das Thema aus der Bubble. Leute, die noch nie Suno gehört haben, sehen plötzlich einen Festivalauftritt und müssen sich eine Meinung bilden.
Meine Meinung bleibt nüchtern. Früher gab es Produzenten, die kein Instrument spielten und Musikern anwiesen, was zu tun ist. Heute weist man der KI an, was zu tun ist. Der Job verschiebt sich – er verschwindet nicht automatisch.
Und ja: Mein altes YouTube-Video „Oh mein Gott, ich bin arbeitslos“ war bewusst übertrieben. Die ehrliche Antwort an Eric war Nein. Es braucht weiter jemanden, der entscheidet, was gut ist und was nicht.
Einordnung ohne Panik
Sienna Rose und ähnliche Fälle zeigen die andere Seite: KI als Persona, gehypt auf Spotify und TikTok, bis Recherchen nachziehen. Das ist ein anderes Thema als „Produzent nutzt KI im Studio“. Beides existiert gleichzeitig. Genau deshalb lohnt Kennzeichnung und Transparenz – und genau deshalb teste ich Tools öffentlich, statt so zu tun, als wäre nichts passiert.
Wer den Ablauf im Detail sehen will, nimmt die Doku in der Mediathek und den YouTube-Clip parallel. Hier reicht die Kernaussage: Es kann auf der Bühne funktionieren. Ob man das will, bleibt eine kulturelle Frage – keine rein technische.
