Thomas Foster Sound & Vision
8 Millionen Dollar mit Bots und KI-Songs – und warum das kein Urteil gegen Suno ist
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8 Millionen Dollar mit Bots und KI-Songs – und warum das kein Urteil gegen Suno ist

· von Thomas Foster

Stell dir vor, jemand verdient über acht Millionen Dollar mit KI-Musik – und landet dafür im Gefängnis. Genau das ist in den USA passiert. Und bevor jetzt alle Suno-Nutzer nervös werden: Nein. Der Mann muss nicht hinter Gitter, weil er Songs mit künstlicher Intelligenz erzeugt hat.

Die Geschichte heißt Michael Smith. Sie ist spektakulär – und sie geht um Betrug mit Fake-Streams, nicht um das Generieren von Musik.

Was die Justiz nachgewiesen hat

Michael Smith, 54, aus Cornelius in North Carolina, hat sich am 19. März 2026 vor dem Southern District of New York schuldig bekannt: Conspiracy to commit wire fraud – Verschwörung zum Wire Fraud. Richter: John G. Koeltl. Die Pressemitteilung der US-Staatsanwaltschaft (DOJ / USAO SDNY) beschreibt den Ablauf so:

Musik läuft über Streaming-Plattformen wie Amazon Music, Apple Music, Spotify und YouTube Music. Pro Stream fließen kleine Royalty-Anteile aus einem gemeinsamen Topf. Wer künstlich Streams erzeugt, lenkt Geld um – weg von Tracks, die echte Hörer hören, hin zu Tracks, die nur Maschinen abspielen.

Smith legte laut Anklage und folgenden Gerichtsunterlagen tausende Bot-Accounts an und ließ Software seine eigenen Tracks endlos streamen. Damit die Plattformen nicht sofort auffallen, verteilte er die künstlichen Plays über eine riesige Menge Songs. Dafür brauchte er Volumen – und holte sich das mit KI: hunderttausende KI-generierte Songs. Die Bot-Accounts streamten diese Tracks milliardenfach. Ergebnis laut DOJ: mehr als 8 Millionen Dollar an Royalties, die so nicht verdient waren.

Zur Einziehung einigte man sich auf rund 8.091.843,64 Dollar Forfeiture.

Am 6. Oktober 2026 folgte das Urteil: 18 Monate Gefängnis plus zwei Jahre supervised release (unter gerichtlicher Aufsicht nach der Haft). Berichtet haben unter anderem Billboard, Music Business Worldwide, Digital Music News und The Verge; den Gerichtssaal hat Inner City Press mitgeschrieben.

Der Taylor-Swift-Vergleich, der absurd wirkt

Ein Beispiel aus den Ermittlungen, das in Berichten und auch im KI-Musik-Update vorkommt: Im April 2023 kamen über bestimmte YouTube-Music-Family-Plan-Accounts der komplette Katalog von Taylor Swift auf etwa 9,3 Millionen Streams. Die Bot-Farm von Smith schaffte im selben Monat rund 80,9 Millionen Streams seiner KI-Musik – fast das Neunfache.

Zeitlich fassen die Ankläger das Schema grob von 2017 bis 2024.

Der Satz des Richters, den man sich merken sollte

In der Verhandlung hat Richter Koeltl laut Gerichtsmitschrift von Inner City Press klar gestellt:

„It was not the use of AI which was targeted here.“

Auf Deutsch sinngemäß: Es ging hier nicht um die Nutzung von KI. Die Verteidigung hatte AI-Songs und Bot-Streams auseinanderhalten müssen; der Richter hat den Punkt gesetzt. Verurteilt wurde der Fake-Stream-Betrieb – Bots, Schein-Hörer, Royalty-Umleitung –, nicht das Erzeugen von KI-Musik an sich.

Genau das ist für mich der zentrale Takeaway. Wenn du am Wochenende mit Suno ein paar hundert Ideen generierst, brauchst du deshalb nicht die Zahnbürste fürs Gefängnis einzupacken. Illegal wird es dort, wo man Plattformen und Royalty-Pools mit automatisierten Fake-Streams austrickst.

Was Spotify dazu gesagt hat – und was nicht

Im September 2025 hat Spotify in der Newsroom-Meldung zu KI-Schutzmaßnahmen unter anderem geschrieben, dass lizensierte Musik auf der Plattform gleich behandelt wird – unabhängig davon, mit welchen Tools sie entstanden ist. Parallel kämpft Spotify gegen Spam, Impersonation und Täuschung; allein in den zwölf Monaten davor habe man laut eigener Angabe über 75 Millionen Spam-Tracks entfernt.

Das ist Kontext, kein Schuldspruch. Spotify hat Smith nicht „verurteilt“. Plattformen und Rechteinhaber kämpfen seit Jahren gegen Streaming-Fraud; dieser Fall ist laut Berichten eine der ersten strafrechtlichen Verurteilungen dieser Art in den USA. Die Linie bleibt: Werkzeuge dürfen sein, Betrug mit Fake-Plays nicht.

Was das für uns bedeutet – und was offen bleibt

Für Suno-Nutzer, Udio-Nutzer, wer auch immer: Die Lehre ist nicht „KI-Musik ist verboten“. Die Lehre ist: Royalty-Systeme basieren auf echtem Hörverhalten. Bots, die den Topf umleiten, treffen echte Artists – und jetzt auch strafrechtlich.

Ob die 18 Monate „zu hart“ oder „zu weich“ sind, ob Forfeiture und supervised release den Schaden ausgleichen, wie Plattformen ihre Detection weiterbauen – das bewerte ich hier nicht als fertiges Urteil. Was klar ist: Der Staat hat Fake-Streams und Royalty-Diebstahl angeklagt, nicht das Prompten von Songs.

Wer den Fall im Zusammenhang mit Label-Deals und Generator-Politik liest: Die Debatten um Universal, Sony und Suno laufen parallel auf einer anderen Schiene – Rechte, Lizenzen, Katalogschutz. Smith ist die Fraud-Schiene. Beides nicht vermischen.

Im Video gehe ich die Geschichte Schritt für Schritt durch – und warum Suno-User deshalb nicht in Panik geraten müssen. Link: https://www.youtube.com/watch?v=P9xv9Oc9AFs