Suno begrenzt die Downloads – ich lasse meinen Mac ganze Alben produzieren
Keine Cloud, keine Credits, keine Downloadlimits: Ich habe ACE-Step 1.5 auf meinem Mac installiert und lasse inzwischen sogar komplette Musikalben von einer KI produzieren. Das funktioniert erstaunlich gut. Allerdings gibt es einen Haken.
Wer regelmäßig mit Suno arbeitet, kennt das Problem: Man bezahlt für einen Dienst und muss sich trotzdem Gedanken darüber machen, wie viele Songs man herunterladen darf. Gerade für Musikproduzenten, die viel experimentieren, Varianten vergleichen und einzelne Ideen weiterverarbeiten möchten, können solche Beschränkungen ziemlich lästig werden.
Aber was wäre, wenn man Suno überhaupt nicht mehr bräuchte? Zumindest technisch gesehen.
Wenn die künstliche Intelligenz direkt auf dem eigenen Computer läuft, kann man schließlich so viel Musik generieren, wie man möchte. Ohne Abo, ohne Credits und ohne Downloadlimits.
Genau das wollte ich ausprobieren.
Eine komplette Musik-KI auf meinem Mac
Das Modell heißt ACE-Step 1.5 und ist frei verfügbar. Anders als bei Suno werden die Songs nicht auf den Servern eines Unternehmens berechnet, sondern direkt auf dem eigenen Rechner.
Ich habe ACE-Step auf meinem Mac Studio mit M2-Ultra-Prozessor installiert. Die Installation habe ich übrigens weitgehend Codex überlassen, dem Programmieragenten von OpenAI.
Das hat erstaunlich unkompliziert funktioniert. Codex hat die Software heruntergeladen, die benötigten Komponenten installiert, das Modell eingerichtet und getestet, ob alles funktioniert.
Anschließend konnte ich eine lokale Benutzeroberfläche im Browser öffnen, einen Musikstil beschreiben und auf „Generate“ klicken. Und tatsächlich: Wenig später hatte ich meinen ersten komplett lokal generierten Song.
Die Musik wurde auf meinem eigenen Computer berechnet. Keine Audiodaten mussten zur Generierung an einen Cloudserver geschickt werden. Schon das fand ich ziemlich beeindruckend.
Aber warum sollte ich überhaupt selbst Prompts schreiben?
Nach den ersten Versuchen kam mir eine Idee. Wenn Codex die Software installieren kann, warum sollte Codex dann nicht auch gleich die Musikproduktion übernehmen?
ACE-Step besitzt eine Programmierschnittstelle, über die sich das Modell direkt steuern lässt. Codex muss also nicht einmal die Benutzeroberfläche im Browser bedienen. Ich kann ihm einfach sagen, welche Musik ich haben möchte.
Zum Beispiel:
„Produziere mir ein Album mit Songs aus unterschiedlichen Epochen der Popgeschichte. Ein Song soll nach britischem Psychedelic Pop der späten Sechziger klingen, einer nach großem theatralischem Rock der Siebziger, ein anderer nach Minneapolis-Funk der Achtziger und einer nach Teen-Pop der Neunziger. Schreib passende Prompts und Songtexte und speichere alle fertigen Songs ordentlich auf meiner Festplatte.“
Codex kann daraus einen vollständigen Produktionsauftrag machen. Es entwickelt die Prompts, erstellt die Songtexte, schickt die Aufträge direkt an ACE-Step und speichert die Ergebnisse in den gewünschten Ordnern. Und das alles, ohne dass ich jeden Song einzeln generieren oder herunterladen muss.
Ich habe ein komplettes Album produzieren lassen
Für meinen Test hatte ich bereits ein Album mit Suno produziert. Die Idee dahinter war eine musikalische Reise durch fast 60 Jahre Popgeschichte. Von den Beatles über Queen, Prince und Britney Spears bis zu modernen Popproduktionen. Für jeden Song hatte ich einen eigenen Prompt und einen eigenen Text entwickelt.
Dieses Album habe ich nun ein zweites Mal produzieren lassen – diesmal vollständig lokal mit ACE-Step.
Ich habe Codex das Dokument mit den ursprünglichen Prompts und Songtexten gegeben und gesagt, dass es daraus sämtliche Songs mit ACE-Step generieren soll. Anschließend sollte Codex die fertigen Dateien ordentlich benennen und auf meiner Festplatte ablegen. So konnte ich sofort erkennen, welcher Song welcher musikalischen Epoche und welchem Referenzinterpreten zugeordnet war.
Das Ergebnis: Ein komplettes Album, automatisch generiert, ohne Cloudberechnung und ohne zusätzliche Generierungskosten. Und genau hier zeigt sich für mich die eigentliche Stärke dieser Technologie.
Zehn Alben über Nacht? Technisch kein Problem.
Wenn ein Musikmodell lokal auf dem eigenen Rechner läuft, gibt es keine vom Anbieter festgelegte monatliche Generierungsgrenze. Man kann zehn Songs produzieren lassen. Oder hundert. Oder theoretisch tausend.
Natürlich braucht der Computer dafür Zeit und Strom. Aber man muss nicht bei jeder Generierung überlegen, wie viele Credits noch übrig sind.
Mit Codex lässt sich das Ganze zusätzlich automatisieren. Ich könnte beispielsweise abends einen Auftrag erteilen, hundert unterschiedliche Songs zu generieren. Codex erstellt die entsprechenden Prompts und startet eine Warteschlange, die ACE-Step nacheinander abarbeitet. Am nächsten Morgen liegen die fertigen Songs auf meiner Festplatte.
Dabei muss Codex nicht die ganze Nacht aktiv bleiben. Ein einmal gestartetes Programm kann die Generierungen selbstständig abarbeiten.
Das ist ein fundamentaler Unterschied zu den meisten kommerziellen KI-Musikdiensten. Und es zeigt, wohin sich die Musikproduktion entwickeln könnte: Wir bedienen nicht mehr unbedingt einzelne Programme, sondern beschreiben einer KI, was wir erreichen möchten. Diese kümmert sich anschließend um die technische Umsetzung.
Und wie gut klingt ACE-Step?
Jetzt kommt allerdings der entscheidende Punkt.
Ich habe inzwischen verschiedene Musikstile ausprobiert, darunter elektronische Lounge-Musik, House, Pop und Rock. Außerdem habe ich das komplette Album mit den entsprechenden Suno-Versionen verglichen.
Mein Eindruck ist eindeutig: ACE-Step ist ernst zu nehmen. Aber Suno klingt derzeit deutlich besser.
Das betrifft nicht nur die reine Soundqualität. Auch musikalisch finde ich Suno überlegen. Die Kompositionen, Arrangements und insbesondere das Verständnis für unterschiedliche Musikstile wirken bei Suno ausgereifter.
Bei ACE-Step gibt es durchaus Ergebnisse, bei denen ich überrascht bin, wie gut sie klingen. Aber es gibt eben auch Songs, bei denen man deutlich merkt, dass das Modell musikalisch noch nicht auf demselben Niveau arbeitet. Gerade bei anspruchsvolleren Popproduktionen mit Gesang werden die Unterschiede hörbar.
Ich würde ACE-Step deshalb momentan nicht als vollwertigen Ersatz für Suno betrachten. Für meine professionellen Musikproduktionen reicht mir die Qualität derzeit noch nicht.
Aber das schmälert die technische Leistung keineswegs. Wir sprechen hier schließlich von einem KI-Modell, das vollständig auf einem normalen Computer läuft und innerhalb kurzer Zeit komplette Musikstücke generieren kann. Und das ist bemerkenswert.
Warum ich diese Entwicklung trotzdem unglaublich spannend finde
Für mich liegt die eigentliche Sensation nicht darin, dass ACE-Step heute schon besser wäre als Suno. Das ist es nicht.
Die Sensation ist, dass solche Modelle inzwischen überhaupt lokal betrieben werden können. Damit verändert sich etwas Grundsätzliches.
Bisher waren wir bei leistungsfähiger generativer Musik-KI weitgehend auf Cloudanbieter angewiesen. Diese bestimmen die Preise, die Nutzungsbedingungen, die verfügbaren Funktionen und die Generierungslimits.
Bei einem lokal betriebenen Modell haben wir wesentlich mehr Kontrolle. Wir können eigene Benutzeroberflächen entwickeln, automatisierte Produktionsprozesse aufbauen oder das Modell direkt mit anderen KI-Agenten verbinden.
Und wenn künftig leistungsfähigere offene Musikmodelle erscheinen, könnte derselbe Workflow mit deutlich besserer musikalischer Qualität funktionieren. Das finde ich fast spannender als die Frage, ob ACE-Step heute schon mit Suno mithalten kann.
So kannst du ACE-Step selbst ausprobieren
ACE-Step 1.5 ist als offenes Projekt verfügbar. Du benötigst einen geeigneten Computer, ausreichend Arbeitsspeicher und etwas freien Festplattenspeicher. Wie schnell die Musikgenerierung funktioniert, hängt stark von der verwendeten Hardware ab. Ich habe das System auf einem Mac Studio mit Apple Silicon getestet.
Das offizielle Projekt findest du auf GitHub: ACE-Step 1.5 auf GitHub
Schritt für Schritt erklärt, inklusive kopierbarer Prompts für Codex: Anleitung: ACE-Step 1.5 installieren
Wer sich mit der Installation nicht beschäftigen möchte, kann sich dabei auch von einem KI-Programmieragenten wie Codex helfen lassen. Bei mir hat das hervorragend funktioniert. Im Grunde habe ich Codex erklärt, was ich vorhabe, ihm das GitHub-Projekt gezeigt und ihn gebeten, die Installation zu übernehmen. Nach der Einrichtung konnte Codex das Modell direkt über seine lokale Schnittstelle steuern.
Für Einsteiger würde ich allerdings empfehlen, zunächst die normale Benutzeroberfläche zu verwenden und ein paar einzelne Songs zu generieren. Wer anschließend größere Mengen Musik produzieren möchte, kann sich mit der Automatisierung beschäftigen.
Mein Fazit
Werde ich Suno jetzt kündigen und nur noch ACE-Step verwenden? Nein. Dafür ist mir der musikalische Qualitätsunterschied derzeit zu groß.
Aber ich werde die Entwicklung lokaler Musikmodelle definitiv weiterverfolgen. Denn die Vorstellung, dass ich meinem Computer abends einfach sagen kann, welche Musik er über Nacht produzieren soll, und am nächsten Morgen ein komplettes Album auf meiner Festplatte finde, begeistert mich.
Und das Beste daran: Ich muss dafür keine Credits kaufen, keine Songs einzeln herunterladen und keine Cloudserver bezahlen.
Die Musikqualität gehört heute noch Suno. Aber bei der Freiheit und Automatisierbarkeit haben lokale Modelle einen gewaltigen Vorteil.
Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis wir beides bekommen: die musikalische Qualität der besten Cloudmodelle und die Unabhängigkeit einer vollständig lokalen KI. Dann könnte es für Musikproduzenten richtig interessant werden.
Wie Suno selbst gerade seine Album-Funktion ausbaut, habe ich übrigens in meinem Artikel über Suno Albums beschrieben.
